Johann Wolfgang Goethe

FAUST

Der Tagödie zweiter Teil

FaustI-5.jpg

2001

Personen

Faust

Wolfgang Peter

Mephistopheles

Elisabeth Meixner

Kaiser

Johann Potakowskyj

Kanzler, Astrolog

Ernst Horvath

Knabe Lenker

Wolfgang Peter

Karnevalsvolk

Maria, Aurelia und Lara Reisinger, Nikolina, Miel Wanka, Rosemarie Guttmann, Florian Dubois

Damen

Nikolina, Miel Wanka

Baccalaureus

Leif-Börge Struck, Florian Dubois

Wagner

Ernst Horvath

Homunkulus

Rosemarie Guttmann

Erichtho

Eva Peter-Culik

Chiron

Ernst Horvath

Manto

Eva Peter-Culik

Thales

Ernst Horvath

Anaxagoras

Thomas Schürer, Florian Dubois

Nereus

Eva Peter-Culik

Proteus

Johann Potakowskyj

Ariel, Nymphen, Sirenen, Gnome, Ameisen, Greife, Spinxe, Pygmäen, Doriden und Nereiden, Telchinen, Phorkyaden, Lamien und andere mythologische Gestalten

Maria, Aurelia und Lara Reisinger, Eva Peter-Culik, Leif-Börge Struck, Eva-Maria Ochs, Miel Wanka, Nikolina

Helena

Margherita Ehart

Chor gefangener Trojanerinnen

Maria Reisinger, Nikolina,
Eva Peter-Culik, Miel Wanka

Panthalis

Nikolina

Lynkeus

Ernst Horvath

Euphorion

Thomas Schürer, Florian Dubois

Philemon

Johann Potakowskyj

Baucis

Eva-Maria Ochs, Eva Peter-Culik

Not, Schuld, Mangel und Sorge

 Rosemarie Guttmann, Miel Wanka, Nikolina, Margherita Ehart

Lemuren, Dick– und Dürrteufel

Miel Wanka, Margherita Ehart,Thomas Schürer

Himmlische Heerscharen, Engelchöre, selige Knaben

 Maria, Aurelia und Lara Reisinger, Leif-Börge Struck, Miel Wanka, Nikolina, Rosemarie Guttmann, Florian Dubois

Pater Ecstaticus

Ernst Horvath

Pater Profundus

Thomas Schürer, Florian Dubois

Pater Seraphicus

Johann Potakowskyj

Mater Gloriosa

 

Eva Peter-Culik

Magna Peccatrix

Margherita Ehart

Mulier Samaritana

Nikolina

Maria Aegyptiaca

Maria Reisinger, Miel Wanka

Una Poenitentium

Margherita Ehart

     

Technik

 

Walter Vogl

Videotechnik

 

Franz Janda

Maske

 

Eva Peter-Culik

Regie

 

Wolfgang Peter

INHALT

Helena-Phorkyas.jpgProvokant und überraschend eröffnet der zweite Teil: Faust auf blumigen Rasen gebettet, umschwebt vom Luftgeist Ariel, der alle lastenden Schuldgefühle wegspült – soll Faust so leicht davonkommen? Doch welcher Faust ist hier gemeint? „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust", so hat er einst bekannt. „Die eine hält, in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organe" - sie läßt Faust wieder und wieder straucheln und triebe ihn unaufhaltsam in Mephistos Arme, wäre da nicht zugleich jener andere Faust, der ungebrochen nach den „Gefilden hoher Ahnen" strebte. Mensch im Sinne Goethes ist man niemals voll und ganz, aber man wird es in dem Maße mehr und mehr, in dem das höhere Ich, der schöpferische geistige Kern unseres Wesens, die Herrschaft über das bloße niedere Ego gewinnt. Von dieser allmählichen Menschwerdung spricht der zweite Teil in grandiosen Bildern. Aber nicht nur der Mensch selbst wird hier als sehr ambivalentes Wesen gezeigt, auch das Böse selbst, verkörpert in der Gestalt des Mephisto, erscheint doppelgesichtig. Zeigte sich Mephisto im ersten Teil mehr von seiner luziferisch verführerischen Seite, kehrt er nun immer stärker sein eiskaltes, zynisch lächelndes satanisches Antlitz hervor, bis endlich Faust, als Repräsentant des modernen Menschen schlechthin, im Spannungsfeld ungehemmter Begierden und technokratisch mitleidloser Intelligenz zerrissen zu werden droht. Da wird am Kaiserhof inmitten ausgelassener Karnevalsstimmung das Papiergeld erfunden, das als letztlich illusionärer Reichtum später kriegerisch das Reich erschüttern wird. Da soll Faust zur Belustigung des ganzen Hofes in einer Art Massensuggestion Helena und Paris magisch hervorzaubern, bis er sich selbst derart begierig an seiner selbsterzeugten Vison ekstatisch berauscht, daß er besinnlungslos zusammenstürzt und in einen todesähnlichen Schlaf fällt.

Der zweite Akt führt zurück zu Fausts altem Studierzimmer, wo Wagner sich inzwischen darangemacht hat, einen künstlichen Menschen, den Homunculus, in der Retorte zu schaffen. Faust ruht indes noch immer paralysiert auf seinem Lager. Was Wagner in äußeren Experimenten niemals gelingen kann, beginnt Faust nun in gewaltigen inneren Wahrträumen zu schauen: das Geheimnis der Menschwerdung. Durch alle Elemente führt der Weg der klassischen Walpurgisnacht. Feuer, Luft, Wasser und Erde, verkörpert in den unglaublichsten urbildlichen mythologischen Gestalten von Sphinxen, Sirenen und Gnomen, von Nereiden und Tritonen, lassen endlich die leuchtende Phiole des Homunkulus in einem sprühenden Feuerwerk zerschellen – und plötzlich steht Helena zu Beginn des dritten Akts wieder vor uns. Nicht mehr ferne und illusionär, sondern greifbar körperlich erscheinend und doch Teil von Fausts innerer Traumwelt, ist sie zugleich reales Symbol der gereinigten hellen menschlichen Seele, mit der sich Fausts strebender Geist vermählen muß, schöpferische Begeisterung, Euphorion, als rein geistiges Kind zeugend in einem zeitlosen Augenblick höchsten Glücks – der im nächsten Moment wieder verweht und in unaufhörlicher geistiger Wiedergeburt täglich neu erobert werden muß.

Der vierte und fünfte Akt führen zurück ins äußere Geschehen. Das Kaiserreich wird durch Fausts Hilfe gerettet und er erhält als Dank einen kahlen Küstenstreifen zum Lehen. In ungebrochenem Tatendrang gewinnt Faust dem unfruchtbaren Land neuen Lebensraum ab – nicht ohne neue Schuld auf sich zu laden: die ärmliche Hütte von Philemon und Baucis, die sich weigern, ihren Besitz zugunsten des „großen Werkes" aufzugeben, geht in Flammen auf und die beiden Alten kommen darin um. Faust, hochbetagt und mittlerweile erblindet, berauscht sich ein letztes Mal an seinem fast vollendeten Lebenswerk: „Zum Augenblicke dürft‘ ich sagen: Verweile doch, du bist so schön! Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehn." - und stirbt. Mephisto darf sich seiner Seele sicher wähnen, doch in einer gewaltigen Schlußapotheose wird Fausts Unsterbliches seinem Zugriff entrissen, denn:

Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.

FaustII-19.jpg

Videoaufzeichnung FAUST - Der Tragödie zweiter Teil - 30. März 2013

Link: http://archive.org/details/faust2