Einen Jux will er sich machen

Posse mit Gesang in vier Aufzügen

von

Johann Nestroy

Musik von Adolf Müller

Personen

Zangler, Gewürzkrämer in einer kleinen Stadt
Erich Schmalz
Marie, dessen Nichte und Mündel
Weinberl, Handlungsdiener } bei Zangler
Christopherl, Lehrjung

Gerda Kohmaier
Elisabeth Meixner

Kraps, Hausknecht
Frau Gertrud, Wirtschafterin
Inge Lobenschuß
Renate Rattay
Melchior, ein vazierender Hausknecht
August Sonders

Christian Gruber
Peter Pamisano

Hupfer, ein Schneidermeister
Madame Knorr, Modewarenhändlerin in der Hauptstadt
 Elisabeth Leeb
Frau von Fischer, Witwe
Fräulein von Blumenblatt, Zanglers Schwägerin
Susanne Hansalik
Brunninger, Kaufmann
Philippine, Putzmacherin

 Poldi Lembcke
Brigitta Schadeck

Lisette, Stubenmädchen bei Fräulein von Blumenblatt
Ein Hausmeister
Ein Lohnkutscher
Ein Wächter
Rab, ein Gauner
Erster } Kellner
  Poldi Lembcke
Brigitta Schadeck
Zweiter

Die Handlung spielt im ersten Aufzug in Zanglers Wohnung in einer kleinen Stadt, dann in der nahegelegenen Hauptstadt, gegen Schluß wieder bei Zangler.

INHALT

1. Aufzug

Zangler möchte dem wenig begüterten August Sonders sein Mündel Marie nicht zur Frau geben. Zu ihrem Schutz will er Marie zu seiner Schwägerin in die Stadt schicken. Durch Zufall erfährt Sonders von diesem Plan. – Auftrittslied Weinberl I, 10 (R: „Da wird wohl auch was g’handelt wer’n.“). – Christopherl macht Weinberl auf Wachsspuren, die er auf dem Ladenschlüssel entdeckt hat, aufmerksam. Zangler erzählt Christopherl und Weinberl von seinen Plänen: Er wird für drei Tage verreisen und anschließend heiraten. Mit dem Hochzeitstag soll Weinberl sein Teilhaber und Christopherl Kommis werden. Weinberl will Zanglers Abwesenheit nutzen und ein richtiges Abenteuer erleben. Zusammen mit Christopherl will er sich „einen Jux machen“. Er verkleidet sich mit Zanglers altem Schützenanzug und läßt Frau Gertrud durch Christopherl ausrichten, sie solle Weinberl sagen, daß das Geschäft zwei Tage geschlossen bleibe. Überraschend kommt jedoch Zangler von seiner Schützengesellschaft zurück. Weinberl muß sich vor ihm verstecken. Unterdessen hat Sonders Marie getroffen. Weinberl hört aus seinem Versteck, wie Sonders sie bittet, mit ihm fortzugehen. Die beiden entdecken Weinberl jedoch und halten ihn für Zangler. Um nicht erkannt zu werden, gibt Weinberl ihnen wortlos seinen Segen und verschwindet. In diesem Moment erscheint Zangler, entdeckt die beiden völlig verwirrten Liebenden und schickt Marie wütend ins Haus.

2. Aufzug

Weinberl und Christopherl sind in die Stadt gereist, wo sie beinahe auf Zangler treffen. Sie flüchten sich in das Geschäft von Madame Knorr, wo Weinberl sich als Ehemann einer Frau von Fischer ausgibt. Doch Frau von Fischer erscheint tatsächlich, spielt aber zum Schein die Rolle der Ehefrau. – Lied Weinberl II, 8 (R: „Das is a verruckte Idee“). – Sonders und Marie sind durchgebrannt, werden jedoch von Zangler gesehen, als sie vor einem Gasthaus aus der Kutsche steigen. Er gibt dem Kutscher und einem Wächter die Anweisung, die beiden auf dem Rückweg bei seiner Schwägerin abzuliefern. Auch Mad. Knorr, Frau von Fischer, Christopherl und Weinberl, der fast pleite ist, besuchen auf Wunsch der Damen das Gasthaus. Melchior erscheint und verlangt den ganzen Salon für seinen Herrn. Schließlich wird, als Weinberl und Christopherl von ferne sehen, wer der Herr ist, eine spanische Wand aufgestellt. Um vor der unbezahlbaren Rechnung zu fliehen, schleicht sich Christopherl, mit dem Burnus und dem Hut von Frau von Fischer verkleidet, an Zangler vorbei. Auch Weinberl kann unbemerkt entkommen. Die beiden steigen in Sonders’ Kutsche. Kutscher und Wachter halten sie für das gesuchte Paar, ebenso Zangler und Melchior. Doch in diesem Moment kommen Marie und Sonders in den Salon. Als Zangler auch noch seine Verlobte Madame Knorr bemerkt, herrscht allgemeine Verwirrung.

3. Aufzug

 

Einen Jux will er sich machen

Marie, Nestroy als Weinberl in Zanglers Schützenrock und August Sonders, Bleistiftzeichnung von Georg Fischer, um 1850

Weinberl und Christopherl werden von dem Kutscher und dem Wächter bei Fräulein Blumenblatt abgeliefert, die die beiden für ihre seit langen Jahren nicht gesehene Nichte und deren Liebhaber hält und dies sehr romantisch findet. Melchior erscheint, weil Zangler Weinberls Zeche bezahlen mußte, und klärt Fräulein Blumenblatt über die Verwechslung auf, doch diese glaubt ihm nicht. Sonders, der sich als Weinberl ausgibt, erscheint und behauptet, mit Maries Bewachung beauftragt worden zu sein. Melchior versucht auch diesen Irrtum aufzuklären, aber Fräulein Blumenblatt hält ihn für einen Betrüger und ruft den Wächter. In diesem Moment kündigt Lisett Herrn Zangler an. Die entstehendeVerwirrung nutzen Weinberl, Christopherl und Sonders zur Flucht. Zangler erscheint in Begleitung von Mad. Knorr und Frau von Fischer. Er klärt Melchiors Identität und übergibt Marie seiner Schwägerin. Christopherl hat sich in ein hochgelegenes Zimmer gerettet. Während Weinberl einen Ausweg aus dem ummauerten Garten sucht, hält Christopherl Ausschau nach einem Fluchtweg aus seinem ,Gefängnis‘. Er wird von Sonders, der ihn für Marie hält, mit einer Leiter befreit, die Weinberl und Christopherl auch zur Flucht aus dem Garten verhilft. –

4. Aufzug

Lied Weinberl III, 16 (R: „Und es schickt sich doch offenbar nicht.“). – Weinberl und Christopherl kehren zumGeschäft zurück, in das gerade Kraps, Zanglers entlassener Knecht, und Rab einbrechen. Kraps, der ihnen direkt in die Arme läuft, wird von Christopherl und Weinberl genötigt, seinen Hut und seinen Mantel auszuziehen. Weinberl verkleidet sich damit und hilft Rab zum Schein bei seinem Raubzug, so daß Christopherl die Gelegenheit hat, die Polizei zu rufen. Melchior bemerkt die Einbrecher und greift sich Weinberl, während Rab fliehen kann, jedoch auf der Straße von Zangler, Madame Knorr, Frau von Fischer, Christopherl, Marie, Sonders und dem Wachter gestellt wird. Zangler beglückwünscht Weinberl, sehr zum Erstaunen von Melchior, der ihn für einen Dieb hält. Frau von Fischer und Mad. Knorr erkennen Christopherl und Weinberl. Letzterer rettet die Situation, indem er Frau von Fischer einen Heiratsantrag macht. Da nun auch der durch ein Erbe reich gewordene Sonders Marie heiraten darf, endet das Stück mit der Aussicht auf eine dreifache Hochzeit.

Das Werk

Einen Jux will er sich machen wurde am 10. März 1842 im Theater an der Wien uraufgeführt und brachte es in der Folge auf 161 Aufführungen. Nestroys literarische Grundlage war das englische Stück A Day Well Spent (1834) von John Oxenford. Thornton Wilder verwendete später Nestroys Jux als Vorlage für sein Stück The Merchant of Yonkers. Wilders Farce spielt 1880 in Yonkers, der damals noch ländliche Umgebung New Yorks. Die bei Nestroy nicht enthaltene Figur der Dolly Levy ist Wilders ureigenste Erfindung und war von der Heiratsvermittlerin Frosine aus Molières Der Geizige inspiriert. Wilder erwies Nestroy seine Reverenz, indem er seiner Heiratsvermittlerin ihre charmante Lebensart von ihrem verstorbenen Mann haben lässt, der aus Wien stammt. Die beschwingte Wiener Lebensart wird so zu einem Heilmittel für das vom nüchternen amerikanischen Puritanismus geprägte New Yorker Gemüt.

The Merchant of Yonkers war zwar am Theater erfolgreich, aber Wilder schrieb es 1955 dennoch um und veröffentlichte es neu unter dem Titel The Matchmaker (Die Heiratsvermittlerin). Auf Grundlage dieses Stücks von Wilder schufen Jerry Herman und Lionel Newman das weltbekannte Musikal Hello Dolly, das am 19. Januar 1964 im St. James Theatre in New York uraufgeführt wurde.

Videoaufzeichnung (Musisches Zentrum Wien, 2. Juli 2005)