Spielgemeinschaft ODYSSEE - Inhaltsübersicht
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Wolfgang PETER
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Chronik  Das Gelbe vom Ei  Grundlegendes  Gruppengeist  Probenarbeit

Sehn wir doch das Große aller Zeiten
Auf den Brettern, die die Welt bedeuten,
Sinnvoll still an uns vorübergehn. 
(Friedrich Schiller)

 

Die goetheanistische Spielgemeinschaft ODYSSEE Theater

"Odyssee" - das ist seit Herbst 1996 der neue Name einer verschworenen Spielgemeinschaft, die schon auf eine längere Tradition zurückblicken kann. Herausgewachsen ist sie aus der Spielgemeinschaft "Epidaurus" des privaten Goetheanistischen Konservatoriums, wo sich viele unserer Mitglieder ihr schauspielerisches Können erarbeitet haben. 1995 arbeiteten wir vorübergehend mit der Theatergruppe Carrousel zusammen.

Rudolf Steiner 1919
Rudolf Steiner
Michail A. Cechov
Michail A. Cechov

Grundlegend für uns ist die von Rudolf Steiner inaugurierte und von Karl Rössel-Majdan und Michail Cechov weiterentwickelte Sprachgestaltung, die uns von systematischen Lautübungen, über Rezitation und Gestik, bis hin zum Rollenspiel leitete und zu einem tieferen Erfassen des Sprachwesens führte. Das Wort, die lebendig erlebte und gestaltete Sprache ist seitdem die zentrale Lebensquelle unserer Probenarbeit.

Gelingt es, den Klang, die Formkraft und den Rhythmus der Sprache in bewegte farbenreiche Bilder zu verwandeln, so entsteht ein Schauspiel, das im unmittelbaren Hören und Schauen verstanden werden kann. Das Übersinnliche, also das, was geistig dem Stück zugrunde liegt und seelisch die handelnden Charaktere bewegt, offenbart sich augenblicklich und ohne weiteres Nachdenken als sinnlich erlebbares Phänomen im Klang der Sprache und der Bühnenmusik und in den bewegten Farben und Formen des Bühnengeschehens, in der Bühnenarchitektur, der Dekoration, in den Kostümen und Lichtstimmungen. In der Kunst muss sich der Sinn den Sinnen eröffnen  - das ist der Kern der goetheanistischen Methode. Bloß intellektuell einen Inhalt oder gar eine belehrende "Botschaft" dem Publikum vermitteln zu wollen, ist unkünstlerisch und für Zuschauer und Darsteller gleichermaßen unbefriedigend. Der verborgene, tiefere Gehalt eines Schauspiels will zuallererst sinnlich angeschaut und völlig vorurteilsfrei miterlebt werden. Nur so entsteht eine gesunde, reichhaltige Basis für ein späteres, durchaus gewünschtes Nachdenken. Wie man die dramatische oder humoristische Handlung dem Publikum nahebringt, muß den Künstler vor allem interessieren. "Das was bedenke, mehr bedenke wie" sagt schon Goethe. Von bloß intellektualisierender, "kritisierender" Theaterarbeit distanzieren wir uns ausdrücklich. Statt zu kritisieren, wollen wir lieber charakterisieren - urteilen soll der Zuschauer selbst nach seinem eigenen freien Ermessen! Dem herkömmlichen Regietheater erteilen wir damit eine schroffe Absage. Die Schauspieler selbst, mit all ihren individuellen Stärken und Schwächen, machen das Theater lebendig und lebensecht, wenn ihnen der nötige kreative Freiraum eröffnet wird. Unsere Inszenierungen gründen auf dem inspirierte Wechselspiel der einzelnen Darsteller, die die reine Freude am Spiel beflügelt und belohnt, und dem Regisseur, der fast immer auch aktiver Mitspieler ist, obliegt es nur, da und dort Anregungen zu geben und die Arbeit der einzelnen Darsteller zu einem ausgewogenen und authentischen Gesamtbild zu integrieren, das dem Werk gerecht wird.

Überraschung
Psychologische
Gebärde (nach
M. Cechov)

Befruchtend für unsere Arbeit war stets das Menschenbild Rudolf Steiners, das sich seit langen Jahren auch in der Waldorfpädagogik erfolgreich bewährt und den Menschen vor allem auch als ein seelisch-geistig reich differenziertes Wesen anzuschauen lehrt. Dementsprechend kann sich das Theater nicht darin erschöpfen, äußere Verhältnisse und Ereignisse abzubilden; vielmehr muss die oft geheimnisvoll verborgene seelisch-geistige Innenwelt sichtbar gemacht werden. Allzu realistische Bühnendekorationen erübrigen sich daher meist; fließende Stoffe, charakteristische Lichtstimmungen und einfache, aber stilgerechte Kostüme unterstreichen die Darstellung - was auch unseren doch recht beschränkten finanziellen Mitteln wohltuend entgegenkommt.

Lässt man sich darauf ein, die Innenwelt der dramatischen Personen zu erforschen, so begibt man sich auf eine Irrfahrt mitten durch die Tiefen und Höhen der menschlichen Seele - insofern mag unser neuer Name "Odyssee", wohl gerechtfertigt erscheinen. Durch "Scylla" und "Charybdis" hindurch gilt es dem eigentlich geistigen Kern des Menschen, seinem verborgenen Selbst näher zu kommen. Jede Rollenarbeit wird damit auch zu einem kleinen Stück - heilsamer - Selbsterkenntnis, und Hand aufs Herz - haben wir heute nicht alle ein bisschen Therapie nötig? Dieser therapeutische Ansatz lag jedenfalls schon dem antiken Drama zugrunde, dem wir uns ebenso verbunden fühlen wie der klassischen Dichtung, - ohne deswegen die vielen wertvollen Früchte moderner Kunst ignorieren zu wollen. Im Gegenteil - nicht einen "verstaubten" oder gar "reaktionären" Weg wollen wir gehen; vielmehr suchen wir stets, wenn auch noch so bescheiden, einen neuen Aufbruch, der dem vollen Menschenwesen auch in unserer Zeit gerecht wird.

Im gemeinsamen Erleben mit unserem Publikum wollen wir so die bedeutendsten Werke der Weltliteratur, Komödien und Tragödien, lebendig, zeitgemäß und werkgerecht erschließen. Unserem Publikum wünschen wir jedenfalls die gleiche Freude am lebendigen Theaterspiel, die auch wir empfinden - dann hat sich unsere "Odyssee" gelohnt.

Wolfgang Peter                            

 

 

PS: Sollte Sie das Theaterfieber so gepackt haben, dass Sie selbst aktiv bei uns mitwirken wollen, dann setzen Sie sich doch ganz einfach mit uns in Verbindung (Kontaktadresse) oder besuchen Sie uns bei einer unserer Proben. Neue Mitglieder sind uns immer willkommen! Vorkenntnisse im Bereich Schauspiel sind nützlich, werden aber nicht vorausgesetzt, wohl aber der ernsthafte Wille, die eigenen künstlerischen Fähigkeiten immer weiter zu entwickeln - und vor allem unbändige Freude an der Rollengestaltung! 

Auch für jene, die zwar nicht selbst auf der Bühne stehen, aber dennoch die Theateratmosphäre hautnah miterleben und ihrem kreativen Schaffensdrang ein neues Feld eröffnen wollen, gibt es mehr als genug zu tun, etwa in den Bereichen Kostümbildnerei, Bühnenbildgestaltung, Requisite, Licht-, Ton- und Videotechnik, Musik, Choreographie und Eurythmie, Maske, PR-Arbeit und Veranstaltungsmanagement ...

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